Green Painting

Infos für Gesundheit und Nachhaltigkeit im Atelier

Inhalt

 

  1. Gefahrstoffe erkennen
    Gefahrenpiktogramme
    Wie können Gefahrstoffe in den Körper und in die Umwelt gelangen?
  2. Vorsichtsmaßnahmen – Best Practice
    Materialstäube
    Lösemittel
    Leinöl
    Acrylfarben
    Sprays
  3. Persönliche Schutzausrüstung
  4. Gesundheits- und umweltfreundliche Alternativen
  5. Literatur und Links
  6. Kontakt
  7. Impressum und Datenschutz

1. Gefahrstoffe erkennen

Gefahren- und Sicherheitshinweise beachten

Gefahrstoffe können zu physikalischen Gefahren, Gesundheits- und Umweltgefahren führen:

  • Brandbildung, Entzündung oder Explosion
  • Schädigungen des menschlichen Organismus durch Einatmen, Verschlucken oder Hautkontakt nach einmaliger oder wiederholter Exposition
  • zu einer unmittelbaren oder längerfristigen Gefahr für natürliche Ökosysteme

1.1 Gefahrenpiktogramme

auf Farben, Malmitteln, Lösemitteln und Sprays

 

Signalwort: Feuer
Beschreibung: Flamme
Gefährdung: Entzündbar
  • Leicht brennbar, Brand durch Reibung
  • Flüssigkeiten mit Flammpunkt unter 60 °C
  • Entzündbare Gase, Aerosole
Beispiele: Balsamterpentinöl, Malmittel u. Gemäldefirnisse für die Ölmalerei, Shellsol T u. andere Testbenzine, Ethylalkohol, Brennspiritus

 


 

Signalwort: Achtung
Beschreibung: Ausrufezeichen
Gefährdung: Gesundheitsschädlich und reizend
  • Atemwegsreizungen
  • narkotisierende Wirkung
  • allergische Hautreaktionen
  • Augenreizungen und schädliche Wirkung auf die Gesundheit.
Beispiele: Balsamterpentinöl, Malmittel u. Gemäldefirnisse für die Ölmalerei, Ethylalkohol, Brennspiritus

 


 

Signalwort: Achtung oder Gefahr
Beschreibung: Menschlicher Oberkörper, der durch eine Substanz angegriffen, verletzt wurde
Gefährdung: Gesundheitsgefährdend
  • Kann beim Einatmen Allergien, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen.
  • kann das menschliche Erbgut verändern können.
  • kann Krebs verursachen, kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und fortpflanzungsschädigend wirken.
  • kann das Kind im Mutterleib schädigen.
Beispiele: Balsamterpentinöl, Malmittel u. Gemäldefirnisse für die Ölmalerei, Shellsol T u. andere Testbenzine, Borax

 


 

Signalwort: Achtung
Beschreibung: Ätzende Flüssigkeit, die aus Reagenzgläsern auf eine Oberfläche und eine Hand tropft
Gefährdung: Ätzend
  • Können Haut und Augen dauerhaft schädigen
Beispiel: Ammoniaklösung

 


 

Signalwort: Gefahr
Beschreibung: Umwelt mit abgestorbenem Baum, totem Fisch und Gewässer
Gefährdung: Umweltgefährdend
  • Kann die Umwelt akut oder langfristig verunreinigen und biologische Organismen gefährden.
Beispiel: Zinkweiß

 


 

1.2 Wie können Gefahrstoffe in den Körper und in die Umwelt gelangen?

 

Gefahrstoffe können fest, flüssig, gasförmig oder staubförmig sein.

Sie können durch Einatmen, Verschlucken und über die Haut (Hautresorption) in den Körper gelangen (2).

In die Umwelt gelangen sie durch falsche Aufbewahrung, Entsorgung und Reinigung, z.B. das Entsorgen von Malwasser, Farb- und Malmittelresten über den Abfluss.

2. Vorsichtsmaßnahmen und Best Practice

Allgemein

  • Gute Arbeitsgewohnheiten und persönliche Arbeitshygiene (3):
  • Verschaffe Dir einen Überblick: Du kannst Dich am besten schützen, wenn Du die Gefahrstoffe an Deinem Arbeitsplatz kennst und die Sicherheitshinweise einhältst.
  • Informiere Dich auf den Webseiten der Hersteller und Händler über Gefahren- und Sicherheitshinweise (Hazard und Precautionary Sätze) der verwendeten Produkte.
  • Auf den Webseiten der Hersteller und Händler stehen Sicherheitsdatenblätter zum Download bereit.
  • Halte Verpackungen und Gebinde immer sauber, damit Gefahrenpiktogramme und Informationen auf den Etiketten gut erkennbar bleiben.
  • Hast Du Pigmente oder Flüssigkeiten in andere Behälter abgefüllt, müssen sie beschriftet und mit den entsprechenden Piktogrammen gekennzeichnet werden.
  • Überprüfe ob Du gefährliche Stoffe durch weniger gefährliche ersetzen kannst.
  • Bewahre Gefahrstoffe nicht zusammen mit Lebensmitteln auf – vermeide rauchen, essen und trinken am Arbeitsplatz, weil dadurch schädliche Arbeitsstoffe in den Körper gelangen können (Farbreste an den Fingern, Pigmentpulver, Lösemitteldämpfe).
  • Wasche Hände und Gesicht, bevor Du isst, trinkst oder Kosmetika benutzt.
  • Halte entzündliche Malmaterialien von Feuerquellen fern.
  • Lass Lösemittel und Malmittel nicht im offenen Gebinde stehen, verschließe sie, wenn du sie nicht benutzt – auch während kurzer Pausen.
  • Achte auf gute Raumbelüftung.

2.1 Materialstäube

(z.B. Pigmente, Kohle- und Pastellkreiden, Schleifstaub)

Gefährdung durch Einatmen, Hautkontakt und Reizung der Schleimhäute:

  • Staub nicht einatmen
  • Berührung mit Haut und Augen vermeiden
  • Arbeitsplatz sauber halten
  • Stäube nicht im Raum verteilen, Staubentwicklung vermeiden
  • Pigmente vorsichtig entnehmen – nicht aus dem Gebinde schütten, sondern geeignete Werkzeuge benutzen
  • Reste mechanisch aufnehmen, absaugen oder mit feuchtem Tuch aufnehmen
  • nicht in die Kanalisation gelangen lassen
  • ggf -> Persönliche Schutzausrüstung (PSA) benutzen

2.2 Lösemittel

und lösemittelhaltige Malmittel (v.a. in der Ölmalerei), Harze, Lacke

Gefährdung durch Entzündbarkeit + schädliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus und die Umwelt:

  • siehe Best Practice allgemein
  • vor Feuerquellen fernhalten
  • nicht einatmen, nicht auf die Haut bringen und nicht im Abfluss entsorgen
  • Verbrauch dosieren und kontrollieren, nur für den Arbeitsfortgang erforderliche Mengen verwenden
  • auf gute Durchlüftung achten
  • ggf -> Persönliche Schutzausrüstung (PSA) benutzen
  • auf lösemittelhaltige Pinselreiniger verzichten und stattdessen Ölmalpinsel mit Sonnenblumenöl und Kernseife reinigen
  • Gesundheits- und umweltfreundliche Alternativen
  • nicht verwenden während der Schwangerschaft
  • nur restentleerte Gebinde entsorgen
  • verschmutzte und nicht mehr gebrauchte Lösemittel- und Malmittelreste in einem separaten Behälter aus Glas oder Metall sammeln und über die Hausverwaltung der ADBK oder das Giftmobil der Stadt München entsorgen (4).

2.3 Lappen mit Leinöl, Leinölfirnis u.a. pflanzlichen Ölen sind selbstentzündlich!

Nicht zusammenknüllen, sondern auf einer nicht brennbaren Unterlage ausbreiten.

2.4 Wasserbasierte Kunststoff- und Acryldispersionen

(z.B. Gesso u.a. Grundierungen, Acrylfarben, Acrylmalmittel, Gele, Strukturpasten)

Gefährdung durch sensibilisierende Stoffe (z.B. Biozide), die allergische Reaktionen auslösen können + schädliche Auswirkungen auf die Umwelt:

  • Hautkontakt vermeiden
  • Keine flüssigen Materialien (Farbreste, Gesso usw.) in den Abfluss schütten, sondern Farb-, Malmittel- und Gessoreste eintrocknen lassen und im Restmüll entsorgen
  • Eingetrocknete Farbreste auf Paletten können mit heißem Wasser abgelöst und als Restmüll (bzw. bei schwermetallhaltigen Inhaltsstoffen/Pigmenten als Sondermüll) entsorgt werden
  • Reinigung der Pinsel: 1) auf Papier oder Lappen abstreifen, 2) Behälter mit Wasser füllen und dort die Pinsel vorreinigen, 3) anschließend mit Seife und warmen Wasser ausspülen, überschüssiges Wasser ausdrücken und Haare/Borsten in Form streichen (Pinselpflege)
  • Malwasser und Ausspülwasser sammeln – Feststoffe setzten sich nach und nach ab, Wasser vorsichtig abgießen (in einen zweiten Behälter oder Ausguss), Bodensatz eintrocknen lassen. Trockene Rückstände, die sich ablösen, im Restmüll entsorgen. Behälter wieder verwenden. (5)

2.5 Fixative, Sprühfirnisse, Sprays

Gefährdung durch unter Druck stehende Behälter sowie hochentzündliche und gesundheitsschädliche Aerosole:

  • Sonneneinstrahlung und Hitze vermeiden
  • von Zündquellen fernhalten, nicht rauchen
  • nur im Freien oder gut belüfteten Räumen verwenden, ggf. --> Persönliche Schutzausrüstung (PSA) benutzen
  • Aerosol nicht einatmen und Hautkontakt vermeiden
  • nicht verwenden während der Schwangerschaft

3. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Materialstäube: Partikelfiltrierende Maske FFP2 (bei blei- und chromathaltigen Stäuben FFP3), Schutzhandschuhe, Schutzbrille mit Seitenschutz, Arbeitskleidung.

Lösemittel: Atemschutzmaske mit Filter gegen Gase und Dämpfe, Schutzhandschuhe (Nitrilkautschuk/Nitrillatex - NBR, Fluorkautschuk – FKM -> informiere dich in den jeweiligen Sicherheitsdatenblättern), Schutzbrille mit Seitenschutz, Gasfilter A für organische Dämpfe wie Terpentin, Testbenzine.

Spritzen von lösemittelbasierten Farben, Lacken, Firnissen: Kombinationsfilter gegen Partikel und Gase/Dämpfe Filterklasse A2P3, Kunstharzdispersionen: A2P2, Schutzhandschuhe (6), Schutzbrille mit Seitenschutz, Arbeitskleidung.

Siehe für die richtigen Filterklassen die Broschüre: Atemschutz gewusst wie (7).

4. Gesundheits- und umweltfreundliche Alternativen

  • In der Ölmalerei: Pflanzliche Öle und Kernseife (z.B. Marseiller Seife) statt Pinselreiniger und Lösemittel zum Pinselreinigen benutzen.
  • Zum Verdünnen wenig gilbende pflanzliche Öle z.B. Walnussöl statt Terpentin und Testbenzin (allerdings langsamere Trocknung und höhere Tendenz zum Gilben beachten)
  • Wasservermalbare Ölfarben
  • natürliche wasserlösliche Bindemittel statt Acrylbinder (z.B. tierische und pflanzliche Leime wie Kasein, Hautleim und Gummi Arabicum)
  • Temperamalerei (z.B. Eitempera) statt Öl- und Acrylmalerei

6. Kontakt

Studienwerkstatt für Maltechnik | Akademie der Bildenden Künste München

kathrin.kinseher@adbk.mhn.de

7. Impressum und Datenschutz

Impressum

Datenschutz